Logo der Universität Wien

Ein Lied im Mai / Marschlied der Freunde

오월의 노래Ein Lied im Mai
1. 금남로에 꽃잎처럼 떨어진 너의 젊은 넋
두부처럼 잘리어진 어여쁜 너의 젖가슴
오월 그날이 다시오면 우리가슴에 붉은 피 솟네
 
2. 왜 쏘았지 왜 찔렀지 트럭에 싣고 어딜갔지
망월동에 부릅뜬 눈 수천개 핏발 서렸네
오월 그날이 다시오면 우리가슴에 붉은 피솟네
 
3. 산자들아 산자들아 모여서 함께 나가자
욕된 역사 고통없이 어찌 헤쳐 나가리
오월 그날이 다시오면 우리가슴에 붉은 피 솟네
 
4. 대머리야 쪽바리야 양키놈 솟은 콧대야
물러가라 우리역사 우리가 보듬고 나간다
오월 그날이 다시오면 우리가슴에 붉은 피 솟네

1. Wie Blütenblätter in der Kumnamstraße
gefallen eure jungen Seelen.
Wie ein Stück Sojabohnenkäse
abgeschnitten deine Brust.
Immer wenn jene Maitage wieder kommen,
pocht das rote Blut in unseren Herzen.
 
2. Warum erschossen? Weshalb erstochen?
Wohin denn mit Lastwagen weggekarrt?
In Mang-Wol- Dong, da starren tausende von
Augen, noch aufgerissen, blutunterlaufen,
noch voll Zorn.
 
3. Ihr, Überlebenden! Ihr, Überlebenden!
Gehen wir gemeinsam los!
Diese Geschichte der Schande-
Wie sollten wir sie ohne Leiden überwinden können?
 
4. Du Glatzkopf! Ihr Japsen! Ihr Spitznasen-Yankees!
Raus aus diesem Land!
Unsere Geschichte werden wir selber machen!

  

임을위한행진곡  Marschlied der Freunde
사랑도 명예도 이름도 남김없이
한평생 나가자던 뜨거운 맹세
동지는 간데없고 깃발만 나부껴
새날이 올때까지 흔들리지 말자
세월은 흘러가도 산천은 안다
깨어나 소리치는 끝없는 함성
앞서서 나가니 산자여 따르라
앞서서 나가니 산자여 따르라!

Liebe, Ehre und Ruhm
lassen wir hinter uns zurück,
Wir haben geschworen,
ein ganzes Leben zusammen zu halten.
Meinen Freund habe ich verloren,
und die Fahne flattert im Wind.
Bis die neue Zeit kommt,
wollen wir unserem Eid treu bleiben.
Die Zeit vergeht,
aber das Land hört unseren Weckruf,
der nicht verstummt.
Wir schreiten voran – folgt uns, ihr Leute,
Wir schreiten voran – folgt uns, ihr Leute!

  

Der Kwangju-Aufstand

 
Nach der Ermordung des Diktators Park Chung-Hee im Mai 1980 ergriff dessen Anhänger und vormaliger Generalmajor Chun Doo-Hwan die Macht. Er ließ ranghohe Militärs, die mit den Attentätern sympathisierten, verhaften und während der letzte Premierminister Choi Kyu-Ha offiziell das Präsidentenamt übernahm, lag die wahre Macht in Händen Chun Doo-Hwans
 
Auch Oppositionsführer Kim Dae-Jung, auf dem die Hoffnungen vieler Südkoreaner auf eine Demokratisierung des Landes ruhten, war mit mehr als 1000 weiteren Demokraten im Mai verhaftet worden. Kim´s Verhaftung löste Unruhen im ganzen Land, vor allem in dessen Heimatprovinz Kwangju, und wie Chi In-Gyw schreibt, „[…] einen der letzten traurigen Höhepunkte der Leidensgeschichte des koreanischen Minjung“ aus. (vgl. Chi, 2000: S. 78).

Auf zunächst friedliche Demonstrationen in Kwangju, die vor allem von Studenten durchgeführt wurden, reagierte Chun Doo-Hwan mit militärischer Härte, indem er Fallschirmtruppen mit großer Brutalität gegen die Demonstranten einsetzte.
Nach dieser Grenzüberschreitung verwandelten sich die Proteste in einen Aufstand, der nicht mehr nur von Studenten, sondern von Arbeitern, Straßenhändlern und anderen Angehörigen der einfachen Bevölkerungsschichten, des Minjung, mitgetragen wurden. Die Aufständischen erlangten Zugang zum Waffenlager der örtlichen Kaserne und verteilten die dort lagernden Waffen an die Bevölkerung. In den folgenden, 10 Tage andauernden Kämpfen kamen, je nach Quelle, zwischen 200 (Angaben der Regierung) und 3000 Personen (Angaben der Aufständischen) ums Leben, unter ihnen viele Minderjährige (vgl. Chi, 2000: S. 78).

Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurden die Repressionen des Chun-Regimes nur noch stärker, es folgten Verhaftungen von politischen Gegnern und deren Einweisung in „Umerziehungslager“ mit Zwangsarbeit1.
Bis zu Chun's Abwahl 1988, bei den ersten demokratischen Wahlen seit zwei Jahrzehnten, fanden trotz Unterdrückung fast täglich Demonstrationen gegen sein Regime statt, Dutzende Studenten und Arbeiter setzten sich in seiner Amtszeit aus Protest selbst in Brand.

Das Lied „Ein Lied im Mai“ entstand nach dem Massaker von Kwangju. Es basiert auf der Melodie des französischen Lieds „Qui a tue grand maman“ von 1971, das die koreanische Sängerin Park In-Hee mit dem Titel „Erinnerungen der Liebe“ auf Koreanisch gesungen hatte.
„Ein Lied im Mai“ unterscheidet sich stilistisch aber stark von den vorhergehenden Versionen und hat eine eher militärische Anmutung (Vgl. Seong: 2010, S. 118).

„Marschlied der Freunde“ begründete zusammen mit „Ein Lied im Mai“ 1980 die Gesangskultur die universitäre Minjungkayo Protestgesangs-Kultur, die bis Anfang der 1990er Jahre als Symbol der Protestkultur fortgeführt wurde.
Minjungkayo der Achtziger Jahre unterscheidet sich mit ihrem militärischen, Marschliedartigen Stil von Minjungkayo der Siebziger Jahre wie „Morgentau“, die eher den Stil westlicher Folk-Songs hatte. Beide Stile können als Minjungkayo bezeichnet werden und widersprechen sich auch nicht in ihren Sentiments. Obgleich Lieder wie „Morgentau“ keine offen politischen Inhalte hatten, wurden auch sie durch die Verbote der Regierung zum Protestsymbol und beim Trinken wie auch bei Protestmärschen gerne gesungen (Vgl. Seong: 2010, S. 118).


 
Quellen:
 
Chung Yoon-Suhn, Lie Young und Rüdiger Gerhard: Blauer Vogel, ESG Frankfurt, 1985
 
Chi In-Gyw: Minjunggemeinden in Korea: Entstehung,theologische Begründungen und Praxis, Inaug.-Diss., Universität Marburg, 2000
 
Seong Geun Je: On "Politicization of Style" Phenomenon inside East Asia's Art Movement: With Cases of Late 20th Century Korean Protest Song Movement, in: Memory & future vision, Vol.23, Korea Democracy Foundation, 2010, S. 106-141.
 
Kim Chang Nam: ‚Minjung-Gayo’ in the Context of Korean Popular Music History, in: Journal of the Institute of Korean Cultural Studies, Vol.35, Yeungnam University, 2007, S. 55-81
 
Kim Chang Nam: Making and Change of Korean Popular Music Genres, in: The Journal of Sungkonghoe University, No.12, Sungkonghoe University, 1998, S. 146-177.


Musiker "Ein Lied im Mai & Marschlied der Freunde"
Gesang: Seol Hee Yun
Klavier: Carmen Manera Guzman

 
________________________________________
1. National Human Rights Commission (NHRC) of Korea, 2006


« Zurück

Universität Wien
Institut für Ostasienwissenschaften Koreanologie

Spitalgasse 2
Hof 5 Eingang 5.4
1090 Wien

T: +43-1-4277-43820
E-Mail
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0