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Das Lied des Volkes

민중의노래  Das Lied des Volkes
어둠에 찬 반도의 땅 피에 젖은 싸움터에
민중의 해방위해 너와 나 한목숨 바쳐
노동자도 농민들도 빼앗긴 자
그누구도 투쟁의 전선으로 나서라 깃발 힘차게
독재정권의 저 폭력에 맞서 외세의 수탈에 맞서
역사의 다짐속에 외치나니 해방이여
보아라 힘차게 진군하는 신새벽에 승리의 깃발 춤춘다
몰아쳐라 민중이여!

Die koreanische HalbInsel ist
von Dunkelheit erfüllt und von Blut befleckt.
Für die Befreiung des Volkes opfern
Du und ich unser Leben.
Den Arbeitern und Bauern wurde
alles geraubt.
Alle treten vor zur Kampflinie,
die Flagge weht voller Kraft.
Gegen Diktatur, Regierungsgewalt,
gegen die Unterdrückung
durch äußere Mächte.
Durch die Geschichte,
der Schrei nach Befreiung.
Sieh! Am frühen Morgen marschieren
wir zum Sieg unter der tanzenden Flagge.
Minjung! Wie eine Flutwelle!

Der Streik der Bahnarbeiter
 
Eines der jüngsten Kapitel im Kampf der südkoreanischen Arbeiterklasse ereignete sich Ende 2013 mit dem Streik der Bahnarbeiter, der national ein großes Thema war, aber international wenig mediale Beachtung fand.
 
Der Konflikt, der zwischen Gewerkschaften und Regierung im Dezember 2013 zum Ausbruch kam, hatte bereits eine mehr als zehnjährige Geschichte. Die Regierung hatte seit Anfang 2000 immer wieder Versuche unternommen, den verlustträchtigen staatlichen Bahnbetrieb zu privatisieren.
Das aktuelle Vorhaben der Regierung, eine eigene, private Abteilung für Hochgeschwindigkeitszüge zu schaffen, wurde trotz gegenteiliger Behauptungen der Regierung von den Gewerkschaften KCTU (Korean Confederation of Trade Unions) und KRWU (Korean Railway Workers´Union) als Anbahnung eines neuerlichen Privatisierungsversuchs der staatlichen Korea Railroad gedeutet.
Anfang Dezember hatten Arbeiter der Korea Railroad „Korail“ als Protest gegen diese Pläne die Arbeit niedergelegt. (Vgl. Park Ju-Min für Reuters, 23.12.2013)

Südkoreas Präsidentin seit Februar 2013, Park Geun-Hye, die Tochter des ehemaligen Diktators Park Chung-Hee, erklärte den Streik für illegal, Haftbefehle gegen die Gewerkschaftsführer und Disziplinarmaßnahmen gegen etwa 8.000 Mitglieder wurden erlassen. Am 17. Dezember – der Streik war nun bereits der längste Bahnstreik der koreanischen Geschichte – wurden auf der Suche nach den Gewerkschaftsführern zunächst die Büroräume der KRWU gestürmt. Zwei Tage danach wurden vier weitere Gewerkschaftsgebäude in anderen Städten gestürmt und Büromaterial konfisziert. Nachdem die Gewerkschaftsführer nicht gefunden worden waren, wurden nun die Räume der KCTU gestürmt. Obwohl die Führer auch hier nicht gefunden wurden, wurden über 130 Streikende und Gewerkschaftsmitglieder verhaftet und die Büroräume stundenlang durchsucht.
 
Die Verhaftungen trafen die Gewerkschaft nicht ganz überraschend, hatte es doch derartige Reaktionen auf gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen bereits früher gegeben.
 
Das Vorgehen der Regierung, mit dem sie die Gewerkschaft schwächen wollte, hatte den Effekt, dass nun auch die konservativere Gewerkschaft FKTU (Federation of Korean Trade Unions) ihre regelmäßigen Gespräche mit der Regierung abbrach und Amnesty International seinen scharfen Protest bekundete. Auch die Beliebtheitswerte von Präsidentin Park Geun-Hye in der Bevölkerung sanken laut Umfragen im Zuge des Streiks und der Polizeiaktionen.
 
Nachdem bekannt wurde, dass die Gewerkschaftsführer im buddhistischen Chogye Tempel Zuflucht gesucht hatten, unternahm Choi Yeon-Hye, der Präsident von Korail, einen letzten, medienwirksamen Verhandlungsversuch, bei dem die örtlichen Mönche eine Vermittlerrolle einnahmen. Nachdem auch diese Verhandlungen gescheitert waren, stellte die Regierung ein Ultimatum, dass die Arbeiter von Korail bis Mitternacht ihre Arbeit wieder aufnehmen sollten, ohne Zugeständnisse zu machen.

Am 28. Dezember demonstrierten tausende Bahnarbeiter (je nach Quelle 20.000 bis 100.000) in Seoul gegen das Vorgehen der Regierung. Am 30. Dezember wurde eine vorläufige Einigung erzielt und der Streik beendet. Ein parlamentarisches Komitee sollte gebildet werden, um die Anliegen der Bahnarbeiter zu berücksichtigen und die langfristige Zukunft des Bahnbetriebs zu diskutieren. (Vgl. Lee Eric, für opendemocracy am 30.12.2013)
 
„Das Lied des Volkes“ ist ein Lied, das den Beginn des Marsches bei vielen Demonstrationen begleitet, auch bei den Eisenbahner-Demonstrationen 2013 wurde es von den Demonstranten gesungen. Ein weiteres Lied, das dabei prägnant zum Einsatz kam, war „Do you hear the People sing?“ aus „Les Misérables“ mit koreanischem Text, dessen zeitgleicher Vortrag in Sŏul, Pusan, Taejŏn, Taegu und Kwangju am 28.12.2013 zuvor über Social Media vereinbart worden war. (Vgl. „민노총 철도파업 지지 총파업 돌입하는 28일...이번엔 5개市서 플래시몹까지“, DongA Ilbo, 25.12. 2013)

 
Quellen:
 
Shin Dong-Chun: Recent Experience of and Prospects for High-Speed Rail in Korea: Implications of a Transport System and Regional Development from a Global Perspective, University of California, Berkeley, 2005
Lee, Chang-Woon, A Study on the National Transportation System in High-Speed Rail Era, Korea Transport Institute (KOTI), Dec.2004,
Cho, Nam-Geon, Surveys on the Regional Economic Impacts from the High-speed Rail, Korea Research Institute for Human Settlement (KRHIS), July 2003
 
Lee Eun-Taek: „Minnoch'ong Ch'ŏltop'aŏp Chiji Ch'ongp'aŏp Torip'anŭn 28Il...Ibŏnen 5Kaeshisŏ P'ŭllaeshimopkkaji“(28. Die Gewerkschaft unterstützt die Proteste der Eisenbahner … Flashmobs in 5 Städten), DongA Ilbo, 25.December. 2013
news.donga.com/Main/3/all/20131225/59770595/1 (Zugriff am 4.März.2014)
 
Park Ju-Min: South Korean union vows all-out strike in sympathy with rail workers, Reuters, 23. December. 2013 (Zugriff am 10. März. 2014)
www.reuters.com/article/2013/12/23/us-korea-labour-idUSBRE9BM07H20131223
 
 
Lee Eric: South Korea: rail workers, repression and resistance, openDemocracy, 30.December.2013 (Zugriff am 12.März.2014)
www.opendemocracy.net/opensecurity/eric-lee/south-korea-rail-workers-repression-and-resistance
 
Musiker "Das Lied des Volkes"
Gesang: Seol Hee Yun
Klavier: Carmen Manera Guzman

 

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