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Vogel, Vogel, blauer Vogel

새야새야파랑새야  Vogel, Vogel, blauer Vogel
새야새야 파랑새야 녹두밭에 앉지마라
녹두꽃이 떨어지면 청포장수 울고간다.

Vogel, Vogel, blauer Vogel
Setz dich nicht ins Bohnenfeld
Wenn die Bohnenblüten fallen
Weint der Bohnenpasteten-
Verkäufer auf seinem Weg.

  

Die Tonghak-Bewegung
 
Die Grundlagen der sozialrevolutionären Tonghak- Bewegung, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts voll ausbrechen sollte, wurden bereits einige Jahrzehnte früher gelegt und war zunächst eine religiöse Bewegung, die auf den Lehren des Begründers Choi Che-U (1824-1864), von seinen Anhängern auch „Messias Choi“ und „Jesus Choi“ genannt, basierte.
Choi begründete die Bewegung Ch'ŏndo („Weg des Himmels“), nachdem er sich auf einer langen Wanderschaft ein Bild des Elends der Bevölkerung und der Korruption des Beamtentums gebildet hatte (vgl. Chi In-Gyw, 2000: S. 69).
 
Die Prinzipien der Ch'ŏndo -Bewegung, bezeichnet als „Tonghak“-Lehre (die beiden Begriffe können oft synonym verwendet werden), können mit zwei Grundgedanken beschrieben werden:
 
Der Begriff „Tonghak“ („östliche Lehre“) wurde bewusst als Gegensatz zu „Sŏhak“ („westliche Lehre“) verwendet und drückt eine anti-westliche, anti-katholische und nationalistische Grundhaltung zugunsten des Erhalts der als bedroht wahrgenommenen kulturellen Identität Koreas aus. Diese Bedrohung ging demnach nicht nur vom Westen aus, sondern auch vom japanischen Kolonialismus (vgl. Chi, 2000: S. 70).
 
Im Konzept des „Sich'ŏnchu“, einer ekstatischen Glaubenserfahrung, die im Gläubigen ein neues Menschenverständnis bilden sollte, kommt die Ablehnung des feudalen Klassensystems der Ch'ŏndo zum Ausdruck. Diese Ablehnung des bestehenden Systems hatte zur Folge, dass Choi im Jahr 1864 hingerichtet wurde und seine Anhänger danach über Jahrzehnte verfolgt wurden (vgl. Chi, 2000: S. 71).
 
Obwohl die Tonghak-Lehre den Verzicht auf Gewalt beinhaltete, begannen deren Anhänger nach der unaufhörlichen Unterdrückung durch die Regierung und auf Grund der sozialen Missstände schließlich doch, bewaffneten Widerstand zu leisten. Der erste bewaffnete Zwischenfall fand am 10. 3. 1871 statt, dem Todestag von Choi Che-U, als ca. 500 Anhänger in Yŏnghae in der Provinz Kyungsang mehrere Beamte der Stadtbehörde töteten. Dieser Aufstand wurde rasch niedergeschlagen. Es folgte eine noch intensivere Verfolgung der Tonghak, die gleichzeitig weiter an Mitgliedern zulegte (vgl. Chi, 2000: S. 71).
 
Der nächste Aufstand durch ca. 27.000 Tonghak-Anhänger im Jahr 1893 wurde abermals durch die Regierung beendet, die dabei auch militärische Unterstützung von China bekam.
 
Chun Bong-Jun
 
Von 1894-1895 fand schließlich ein Massenaufstand statt, mehrheitlich von Bauern getragen, als Reaktion auf die Ausplünderung des Volks durch einen Distriktvorsteher in der Provinz Chŏnra. Der Anführer dieses Aufstands war Chun Bong-Jun (1854-1895). Unter seiner Führung wurde das Distriktbüro gestürmt und dort lagerndes Getreide an das Volk verteilt, was ihm den Spitznamen „Grüne Bohnen-General“ einbrachte.

Nach diesem ersten Erfolg gelang es den Aufständischen, die Hauptstadt von Chŏnra zu erobern und der Aufstand breitete sich auf das ganze Land aus.
Die erklärten Ziele der Bewegung waren wiederum die Rettung der koreanischen Nation und ihrer traditionellen Werte, die Vertreibung von Europäern und Japanern aus dem Land und die Beseitigung der Korruption. Man muss hier erwähnen, dass die Tonghak nicht etwa die Beseitigung der Klassengesellschaft im Sinn hatte, sondern deren „Vernichtung und Wiederaufrichtung“ ohne korrupte Elemente und mit faireren Verhältnissen für die niederen Schichten (vgl. Chi, 2000: S. 72).
 
Wie bei den vorhergehenden Aufständen versuchte die Zentralregierung der Chosŏn-Dynastie, die Aufständischen mit Verhandlungen zu beschwichtigen, während sie gleichzeitig die Unterstützung von China und Japan annahmen, um sie militärisch niederzuschlagen.
Gegen diese gut ausgerüstete und ausgebildete militärische Übermacht konnte sich die Tonghak trotz ihrer zahlreichen Mitglieder nicht lange behaupten. Es wird geschätzt, dass etwa drei Millionen Menschen an dem Aufstand teilnahmen und 30.000-40.000 von ihnen starben (vgl. Chi, 2000: S. 73).
 
Auch der Umstand, dass der Aufstand hauptsächlich von Bauern und nicht auch von der Mittelschicht getragen wurde, trug zu deren Scheitern bei. Es war der Bewegung also nicht gelungen, das Minjung zu erwecken, was eine Mobilisierung der unteren und mittleren Schichten bedeutet hätte (Vgl. Ham Sok-Hon 1982a, S. 321, nach Chi, 2000).
 
Im April 1895 wurde Chun Bong-Jun mit anderen Führern des Aufstandes hingerichtet. Er ist der „blaue Vogel“, über den der Bohnenpasteten-Verkäufer auf seinem Weg weint.
 
Die Tonghak-Revolution war trotz ihres Scheiterns bedeutend für das Selbstverständnis des unterdrückten Volkes. Auch der Umstand, dass das Volk versuchte, die nationale Souveränität zu bewahren, während die Oberschicht die Hilfe fremder Mächte gegen das eigene Volk annahm, hatte Symbolcharakter und half, den revolutionären Geist für weitere soziale Bewegungen in der Zukunft am Leben zu erhalten (vgl. Chi, 2000: S. 74).



Quellen:
 
Chung Yoon-Suhn: Korea: Der Bauerkrieg im Kab’o-Jahr 1984, ESG Frankfurt, 1985
 
Chung Yoon-Suhn, Lie Young und Rüdiger Gerhard: Blauer Vogel, ESG Frankfurt, 1985
 
Chi In-Gyw: Minjunggemeinden in Korea: Entstehung,theologische Begründungen und Praxis, Inaug.-Diss., Universität Marburg, 2000
 
국사편찬위원회: 제국주의의 침투와 동학농민전쟁. 한국사 Band 39, Seoul 1999
Kuksap'yŏnch'anwiwŏnhoe: Chegukchuŭiŭi Ch'imt'uwa Tonghangnongminjŏnjaeng (Die Invasion des Imperialismus und der Donghak-Bauernkrieg). Han'guksa (Die koreanische Geschichte) Band 39, Seoul 1999
 
국사편찬위원회: 청일전쟁과 갑오개혁. 한국사 Band 40, Seoul 2000
Kuksap'yŏnch'anwiwŏnhoe: Ch'ŏngilchŏnjaenggwa Kabogaehyŏk (Der Qing-Japanische Krieg und die Gabo-Reform). Han'guksa (Die koreanische Geschichte) Band 40, Seoul 2000

 
Musiker "Vogel, Vogel, blauer Vogel"
Gesang: Seol Hee Yun
Klavier: Carmen Manera Guzman

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